Autor Thema: Fütterungsbedingte Hufrehe  (Gelesen 8317 mal)

DagmarK

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Fütterungsbedingte Hufrehe
« am: 5 Juni 08 19:09 »
Hallo Forummitglieder,

in dem neuen Stall in dem mein Pferd steht, hat ein Haflinger Hufrehe, weil er zu lange auf der Weide gestanden hat. In seinem alten Stall stand er auch auf der Weide, aber scheinbar nicht so lange bzw. war das Gras nicht so reich.

Kann man mit Fütterungszusätzen den Heilungsprozess fördern? Ich habe gehört das Magnesium gut sein soll. Stimmt das? Und was gibt es sonst noch an Kräutern etc., die man ihm geben könnte?

Vielen Dank schon mal für Eure Hilfe,
de groetjes,
Dagmar aus NL

christa

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Re: Fütterungsbedingte Hufrehe
« Antwort #1 am: 6 Juni 08 09:09 »
Hallo liebe Dagmar,

hier ein paar Infos zum Thema Hufrehe:

Die Hufrehe-Behandlung in der Phytotherapie

Die Hufrehe-Symptomatik beim Pferd

Hufrehe ist immer mit extrem starken Schmerzen verbunden, mit Schwitzen und Muskelzittern und mit einer erhöhten Atemfrequenz. Vielfach kommt es auch zu Fieber und zu einer Krummstellung der Wirbelsäule. Dies wird durch die Schmerzen verursacht. In extremen Fällen legt sich das Pferd auf den Boden und möchte sich nicht bewegen. Typisch für eine Hufrehe sind auch das Auffußen der Ballen und Trachten des Hufes (sogenannte Trachtenfussung). Dabei wird der Zehenbereich des Hufes entlastet. Die Hinterbeine werden weit unter den Pferdebauch gestellt.

Der Hufrehe-Verlauf

Hufrehe bricht meistens in kürzester Zeit aus und geht nach etwa 2 Tagen in einen chronischen Verlauf über. Die Hufrehe kann man an der erweiterten weißen Linie erkennen und der Sohlenvorwölbung. Manchmal befinden sich an der Hufaußenseite dicke Hufringe und die unteren zweidrittel des Hufes können stark nach vorne-außen gebogen sein. Das Hufbein kann sich aus seiner Befestigung heraus lockern und somit senkt sich das Hufbein langsam nach unten. Manchmal treten dann auch Hufbeinrotationen auf. In ganz schlimmen Fällen kann sogar die Hufbeinspitze die Hufsohle durchstoßen und dies führt zu bakteriellen Entzündungen im Huf.

Mögliche Auslöser für Hufrehe

Traumatische Rehe:

Durch Belastung und Erschütterung ausgelöst bei Distanzritten, Aufschlagen auf Steine, langen Galoppaden auf Asphalt oder anderen knallharten Böden, usw.

Fütterungsrehe:

Verursacht durch eine Stoffwechselstörung im Dickdarm, weil zu viele Kohlenhydrate und Fruktan in den Darm gelangen.

Geburtsrehe:

Entstanden durch verbleiben der Nachgeburt in der Gebärmutter.

Toxische Rehe:

Wird durch Aufnahme von giftigen Stoffen ausgelöst, z.B. Giftpflanzen auf der Weide oder im Heu, Holzschutzmittel im Stall, Pflanzenschutzmittel (Pestizide) im Getreide/Kraftfutter, Schimmelpilze im Heu, Klärschlamm auf Feldern mit anschließender Bepflanzung (=Schwermetallbelastung der Pflanzen), seltene oder fehlerhafte Entwurmung, etc.

Medikamentöse Rehe:

Ausgelöst durch bestimmte Medikamente, wie z.B. Kortison.

Infektiöse Rehe:

Durch Viren oder Bakterien ausgelöst, die zu schweren Allgemeininfektionen führen können.

Kaltwasser-Rehe:

Entsteht, wenn ein überhitztes Pferd große Mengen kaltes Wasser trinkt.

Andere Ursachen für Hufrehe:

Borreliose-Rehe, Equines Metabolische Syndrom-Rehe, Equines Cushing Syndrom-Rehe. Diese Krankheiten sind ursächlich dafür verantwortlich, dass Pferde immer wieder an Hufrehe erkranken.

Die phytotherapeutische Behandlung bei Hufrehe

Für die Nieren und die Leber zum Entgiften:

Zum Beispiel Goldrute oder Brennessel oder Ackerschachtelhalm verfüttern für die Nieren, jeweils 30 Gramm pro Tag für 6 Wochen. Für die Leber eignet sich Löwenzahnkraut, Löwenzahnwurzel oder auch Mariendistelsamen. Jeweils 30 Gramm pro Tag, auch für 6 Wochen.

Für die Durchblutungsförderung der Hufe:

Gingkoblätter geben, täglich 30 Gramm für circa 4 Wochen. Dieses Mittel fördert die arterielle und venöse Durchblutung.

Bei Schmerzen und bei Entzündungen im Rehehuf:

Als leichtes Schmerzmittel gelten z.B. Teufelskrallenwurzel, Weidenrinde oder Echtes Mädesüß, jeweils 30-60 Gramm pro Tag für die Zeit der Schmerzen. Diese Pflanzen wirken zudem auch stark entzündungshemmend in der angegebenen Dosierung. Bei akuten Schmerzen bei Ausbruch einer Hufrehe, kann man täglich zusätzlich 5-10 ml Belladonna D 3 unter die Haut spritzen oder spritzen lassen für insgesamt 4 Tage lang. Starke Schmerzmittel sind bei Rehe nicht empfehlenswert, da diese fatale Folgen haben kann, dadurch, daß sich das Pferd zu viel bewegt und somit eine Heilungsaussicht deutlich verschlechtert wird.

Die äußere Behandlung der Hufe:

Äußerlich sind Lehmpackungen oder einfach feuchte Erde sehr sinnvoll (als Umschläge). Die Hufeisen sollten abgenommen werden, sofern dies das Pferd zuläßt. Barfußlaufen fördert die Durchblutung des Hufes und ist somit sinnvoll bei einer Rehebehandlung. Hat sich die Hufsohle allerdings schon stark gesenkt und berührt diese den Boden, kann es manchmal sinnvoll sein einen Rehebeschlag für eine gewisse Zeit zu benutzen. Die Hufe sollten spätestens alle 4-5 Wochen von einer Hufpflegerin oder einem Hufschmied zubereitet werden, so, das die Trachten allmählich ganz leicht gekürzt werden. Weiche Einstreu im Stall sind empfehlenswert für Rehepferde. Hierfür eignet sich weicher Torf, Späne oder Sand.

Die Fütterung bei Hufrehe:

Kein Getreide, Kraftfutter, Brot, Silage oder 2.u.3. Heuschnitt verfüttern. Dies fördert eine Hufrehe. Nur Gemüse, Obst, evtl. pflanzliches Mineralfutter und den 1. Heuschnitt verfüttern. Bei regelmäßiger Bewegung sollten täglich 50 ml Distelöl zugefüttert werden, damit daß Pferd genügend Energie zur Verfügung hat. Kohlenhydrate und zuviel Fruktan meiden. Fruktan befindet sich in frischem Weidegras und der Gehalt ist von der Witterung abhängig, deswegen nur portionierten Weidegang anbieten.

Weitere Behandlungsmethoden bei der akuten Rehe:

Aderlass hat sich bei Rehepferden bestens bewährt. Etwa 5-10 Liter Blut dürfen einmalig abgezapft werden. Danach dürfen Elektrolyte gegeben werden, damit die Pferde nicht abbauen.

Viele Grüße und alles Gute

Christa Malcher (THP für Pferde)

DagmarK

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Re: Fütterungsbedingte Hufrehe
« Antwort #2 am: 7 Juni 08 07:47 »
Guten Morgen Christa,

was wären unsere Pferde doch ohne dich?? Vielen Dank für die ausführliche Information. Ich habe sie direkt an die Pferdebesitzerin weitergeleitet. Bin gespannt ob´s sie was damit macht.

DANKE für deine Hilfe und bis bald mal,
Dagmar aus NL