Autor Thema: Risse im Huf  (Gelesen 8011 mal)

georgy

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Risse im Huf
« am: 30 März 10 17:30 »
Hallo, mein Pferd, ein Fordi, hat dieses Jahr verstärkt Längstrisse im Huf. Einer geht sogar vom Kronsaum aus  >:(  wer hat Erfahrung damit???

christa

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Re: Risse im Huf
« Antwort #1 am: 31 März 10 12:15 »
Lieber Georgy,

vom Kronsaum ausgehende Risse weisen einen schweren Hornwanddefekt auf. Dieser entsteht dadurch, das eine Hufseite stärker belastet wird als die andere Hufseite. Auch übersteile Hufwände fördern einen Kronsaumriss. Deshalb entstehen Risse am Kronsaum. Hierbei kann Deinem Fjordi nur ein guter Hufschmied oder Hufpfleger helfen, der den Huf wieder in sein Gleichgewicht bringt, damit keine hebelnde Kräfte den Huf störend beeinflussen können. Eine Hufpflege bei einem Kronsaumriss sollte alle 4 Wochen durchgeführt werden, solange bis der Riss verschwunden ist. Danach reicht eine Hufpflege im Abstand von 2 Monaten.

Hier noch ein paar Tipps zur Hufpflege Deines Fjordis:

Die äußere Pflege und Behandlung des Hufes

    * Hufe sollten spätestens alle 2 Monate vom Hufschmied oder Hufpfleger beraspelt und ausgeschnitten werden, da sonst gerade beim Barfußpferd schnell kleine Ecken vom Tragrand heraus brechen können und auch Risse entstehen können.

    * Hufe brauchen täglich Kontakt mit Wasser, damit sie elastisch bleiben und nicht so schnell ausbrechen und Risse entwickeln. Täglicher Weidegang im Morgentau, das Abspritzen mit Wasser oder ein Auslauf mit feuchter Erde (mit möglichst wenig Urin) sind ideal für Pferde.

    * Zur äußeren Pflege kann man zusätzlich ein Hufgel verwenden. Hufgele sind feuchtigkeitsspendend im Gegensatz zu Hufsalben. Diese enthalten meistens Mineralöle und kleistern die Hufe einfach nur zu. Dabei kann der Huf kein Wasser mehr aufnehmen, so wie es eigentlich von der Natur aus vorgesehen ist. Hufsalben lassen Hufe schick aussehen, das war es auch schon.

Die Fütterung

    * Man sollte darauf achten, dass Pferde täglich 5 Stunden Weidegang haben oder täglich 5 Stunden Heu fressen dürfen. Dadurch erhalten die Pferde viele natürliche Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe, die für ein gesundes Hufwachstum unerlässlich sind. Außerdem beugt ausreichend Heu oder Weidegang Darmerkrankungen und Koliken vor und die Inhaltstoffe des Heus werden somit besser aufgenommen vom Körper.

    * Als zusätzliche Gabe zu Heu oder Gras kann Biertreber-Bierhefe zusammen mit Kieselgur (Kieselerde) verfüttert werden. Dies sorgt für stabile und elastische Hufe. BT-Bierhefe gibt man täglich 50 Gramm und Kieselgur 30 Gramm. Diese Kur sollte für mehrere Monate durchgeführt werden oder auch länger.

    * Wer möchte kann auch Biotin (Vitamin H) verfüttern.Wenn Biotin die Aminosäuren DL-Methionin und Lysin enthält, dann kann das Biotin optimal wirken. Biotin wird allerdings selber vom Pferd im Darm hergestellt, außer das Pferd leidet an einer Darmstörung oder Darmerkrankung, weil es z.B. zu wenig Weidegras oder Heu erhält,etc.

    * Bei Darmstörungen oder Darmerkrankungen sollte Kanne Fermentgetreide dazu gefüttert werden. Dies sind Milchsäurebakterien die den Magen- Darm-Trakt helfen eine gesunde Bakterienflora zu bilden. Kanne Fermentgetreide gibt man täglich 30 Gramm für mindestens 2-3 Monate oder auch länger, je nach Symptomatik. Bei Darmstörungen sollten außerdem Mariendistelkraut verfüttert werden, weil in manchen Fällen eine überlastete Leber zu Störungen des Darms führen kann. Vom Mariendistelkraut gibt man täglich 30 Gramm für 2 Monate am Stück.

    * Mineralfutter sollte grundsätzlich sehr sparsam dosiert werden, da zum Bespiel eine Selenvergiftung, durch übermäßig große Mengen Mineralfutter, auch zu brüchigen und trockenen Hufen führen kann. Je nach Pferdegröße kann täglich 30-50 Gramm Mineralfutter verfüttert werden. Dies ist meistens ausreichend.


Kräuter für gesunde Hufe

Auch für stabile und gesunde Hufe kann man Kräuter verfüttern. Als Mischung eignet sich:

    * Goldrutenkraut, Gingkoblätter, Mädesüßkraut, Weißdornkraut und Mariendistelkraut.

Pro Kraut und Tag kann man 10-20 Gramm geben für insgesamt 2 Monate. Insgesamt also 50-100 Gramm pro Tag. Diese Kräutermischung gibt man bei verzögertem Hufwachstum, instabilen Hufen, bei der Umstellung auf Barhuf und wenn die Hufe brüchig und nicht widerstandsfähig sind. Die Kräuter sorgen für eine gesunde Durchblutung des Hufes, sie mindern Entzündungsprozesse im Huf und reinigen und regenerieren die Leber und Niere, damit Umweltgifte besser ausgeschieden werden können. Dies fördert das Hufwachstum.


Die äußeren Bedingungen

    * Pferde sollten nicht in einer Matratzeneinsteu stehen, da das Ammoniak die Hufe zersetzt und somit instabil und brüchig macht. Die Weide, der Auslauf und der Stall sollten täglich abgemistet werden.

    * Pferde sollten täglich 8 Stunden Auslauf haben, da dies die Durchblutung des Hufes fördert. Das Wachstum des Hufes wird somit gefördert.

    * Regelmäßig mindestens 2-4 mal im Jahr entwurmen (je nach Haltungsbedingungen und Herdengröße), da es sonst zu einem Nährstoffmangel kommen kann und somit auch die Hufe in Mitleidenschaft gezogen werden können.

    * Bei einer Infektion der Hufwand sollte man unbedingt einen Tierarzt kommen lassen. Die Infektion erkennt man daran, dass das Hufhorn krümelig und pulverig wirkt. Manchmal riechen die Hufe auch faulig und es sind tiefe, schwarze Stellen an der weißen Linie zu erkennen.
    
Alles Gute für Deinen Fjordi und Dich

Christa (THP für Pferde)
« Letzte Änderung: 31 März 10 15:02 von christa »

georgy

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Re: Risse im Huf
« Antwort #2 am: 31 März 10 17:54 »
Liebe Christa, ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort! Mein Pferdchen lebt in einer Herde in einem Offenstall und zwar bis zum Juli auf den großen Winterkoppeln wegen Rehegefahr ( die hatte er von seinem Heimatstall) Er hat Heu im Dauerangebot und wird seit gut einem Jahr reglmäßig, d.h. alle 6 sechs Wochen, von einer naturalhoofcare-Hufpflegerin bearbeitet. Vorher war eine Straßerhufpflegerin dran und er hatte fast keine Trachten mehr und viel zu lange Zehen. Vielleicht hat die Umstellung auch die Risse begünstigt? Ich kann ihm im Moment leider nicht täglich Kräuter und co füttern, da er zu weit weg steht und ich ihn nur einmal in der Woche besuche. lg georgy

christa

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Re: Risse im Huf
« Antwort #3 am: 1 April 10 09:44 »
Lieber Georgy,

wenn die Umstellung der Hufe abrupt geschieht, können auch Risse am Huf begünstigt werden. Dies ist aber wohl nicht der alleinige Auslöser für die Risse. Es sollte auf jeden Fall nochmal kontrolliert werden, ob Dein Pferdchen tatsächlich eine Hufseite stärker belastet als die andere Hufseite, da Risse nur entstehen können, wenn große Spannungen im Huf auftreten.

Viele Grüße von Christa

georgy

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Re: Risse im Huf
« Antwort #4 am: 1 April 10 12:33 »
Danke  :D ich kümmere mich darum, lg georgy

georgy

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Re: Risse im Huf
« Antwort #5 am: 28 April 10 16:30 »
Hallo, wollte nochmal Rückmeldung geben wegen der Risse im Huf. Du hattest recht, liebe Christa, war hauptsächlich ein statisches Problem, d.h. falsche Hufbearbeitung. Mein Fjordi hat recht breite, flache Hufe. Seine Wände waren zu lang, drückten sich nach außen weg, ebenso die Zehe, auf der jetzt zuviel Druck lag. Nach der Bearbeitung hat sich der eine Riss SOFORT von selbst geschlossen, d.h. er ist jetzt nicht zu, aber es klafft nicht mehr. Ich gebe ihm jetzt  ein Aufbaumittel für die Hufe, da er so oder so zu Rissen neigt. Und werde mich mit dem Hufebarbeiten selber mehr beschäftigen. Hat jemand einen Tipp wo man sowas gut lernen kann ohne gleich ins Strasser-, Biernath- oder sonst was Lager gezogen zuwerden? Jede Methode hat sicher was für sich, aber die Ausschließlichkeit ( nur ich mache das richtig) stört mich. georgy :)

georgy

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Re: Risse im Huf
« Antwort #6 am: 6 Oktober 11 08:29 »
Hallo, wir sind es wieder, mein Fjord und ich mit unserem "Risse-Problem". Trotz huforthopäischer Bearbeitung ist das Problem nicht in den Griff zu kriegen. Allerdings geht der Riss vom Tragrand nach oben(nicht bis ganz, einen cm ). Und nun meine Frage: ich habe beobachtet, daß die Risse sich im Winter fast ganz schließen und trotz gleichbleibender Bearbeitung sich im Sommer nach dem Anweiden mehr und mehr öffnen. Weißt das nicht auf ein Stoffwechselproblem hin? lg georgy

Tomm

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Re: Risse im Huf
« Antwort #7 am: 22 Oktober 11 01:42 »
Diese Art von Rissen sind bei barfuß laufenden Pferden relativ normal und wohl häufig durch den harten Boden in Verbindung mit sehr spröden Hufen bedingt. Wichtig ist hier eine konsequente Hufpflege, am besten mit Huföl - das hatte bei meinem Pferd immer am besten geholfen. Dann sollte der Schmied sehr regelmäßig ran, damit nicht durch scharfe Kanten die Rißbildung noch begünstigt wird. Wenn die Risse vom Tragrand nicht weiter nach oben gehen, ist das Ganze in der Regel kein Problem. Diese Risse dürften auch nur oberflächlich sein, also sich nicht sehr doll ins Hufinnere ausbreiten und die Hufwand in voller Stärke durchziehen.
Gruß Tommy

"Es gibt so viele Leute mit Pferden in Deutschland und ich wünsche mir, daß es noch mehr Pferdeleute werden!"

(Hans-Heinrich Isenbart bei seiner Verabschiedung am 19.07.2004 in der Aachener Soers)